Artikel aus der Aargauer-Zeitung vom 30.01.13

Alarm wegen Fuchssterben: Bundesamt berichtet von starkem Seuchenzug

Wegen der Räude sterben so viele Füchse wie noch nie – und das in grossem Elend. Die Jäger sind angehalten, erkrankte Tiere abzuschiessen. Für Hunde besteht indessen kaum Gefahr, doch Hundehalter sollten aufmerksam bleiben.

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) schlägt wegen der Fuchsräude Alarm. Von einem starken Seuchenzug befallen seien die Kantone Bern und Aargau, berichtet «20 Minuten». «Der Seuchenzug der Räude durch die Schweiz dauert schon länger. Im Aargau brach die Milbenerkrankung bereits vor drei Jahren am Hallwilersee aus», sagt Dominik Thiel, Fachspezialist Jagd und Fischerei beim Kanton. Damals habe man in der Region um den Hallwilersee beinahe keine gesunden Füchse mehr gefunden. «Ob die Räude derzeit sogar am Abklingen ist, wissen wir nicht. Wir bekommen nur wenige Meldungen von Jägern über infizierte Tieren», erklärt Thiel.

2011 so viel Fallwild wie noch nie

Im Kanton Bern greift die Räude derzeit stark um sich, wie die «Berner Zeitung» berichtet. «Es wird wohl im Kanton Aargau nicht anders sein als im Kanton Bern. Jedoch gibt es keine Meldepflicht für Fuchsräude», sagt Erika Wunderlin, kantonale Tierärztin. Jedenfalls hat die Fallwildzahl – Tiere, die durch Unfälle oder Krankheit getötet werden – der Füchse im Aargau in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Anzahl stieg von 1041 im Jahr 2009 auf 1332 Tiere zwei Jahre später. Dafür verantwortlich ist neben der Räude auch die Staupe. «Die Staupe scheint jetzt aber durch zu sein», meint Thiel.

«Je mehr Tiere es gibt, desto einfacher verbreitet sich eine Krankheit. Solche natürlichen Seuchen dezimieren daher die Fuchsbestände», so Thiel. Dass es wegen zu weniger Füchse beispielsweise zu einer Mäuseplage kommen könnte, davon hat Thiel noch nichts gehört. «Wir hofften, dass die Hasenbestände aufkommen würden, wenn es weniger Füchse gibt. Das hat sich aber nicht bestätigt.» Die Fuchsbestände hätten sich offenbar schnell wieder erholt.

Wenn ein Fuchs die Räude hat, zeigt sich das durch Hautveränderungen und Haarausfall. Grund dafür sind Milben, die sich in die Haut bohren und dort Eier und Kot ablegen. Das führt zu starkem Juckreiz. Wenn sich die Tiere intensiv kratzen, können offene Wunden entstehen, welche sich entzünden können. So gehen die Tiere elendiglich ein. «Die Jäger sind angehalten, erkrankte Tiere abzuschiessen. Zum einen erlösen sie so die Füchse von ihren Qualen, zum anderen verhindert der Abschuss die Ausbreitung der Krankheit», sagt Thiel.

Einfache Behandlung bei Hunden

Eine Übertragung der Krankheit auf Hunde ist möglich. «Jedoch ist die Chance dafür klein. Der Fuchs und der Hund brauchten dafür engen Kontakt», erklärt Wunderlin. Ein Jagdhund, der beispielsweise in einen Fuchsbau vordringt, könnte die Räude aufnehmen. «Wenn ein Fuchs aber nur durch den Garten streift und später der Hund ihm das gleichtut, ist eine Ansteckung eher unwahrscheinlich», so Wunderlin. Das sieht Thiel auch so: «Die Milbe muss sich ja aktiv einnisten können.» Sollte sich aber ein Hund trotzdem mit der Räude angesteckt haben, sei das nicht weiter schlimm. «Es gibt beispielsweise Shampoos, mit denen man die Erkrankung problemlos behandeln kann», gibt Thiel Entwarnung. Hundebesitzer sollten bei Anzeichen von Juckreiz ihre Tiere deshalb beim Tierarzt untersuchen lassen, rät er weiter. Von einer Ansteckung bei Menschen weiss Thiel nichts: «Ich habe schon von Wildsäuen gehört, die an der Räude erkrankt sind. Ob es sich dabei, um den genau gleichen Erreger handelt wie bei den Füchsen, weiss ich hingegen nicht.» Ausserdem seien diese infizierten Wildschweine nicht im Aargau aufgetaucht.

(az Aargauer Zeitung)